Teil 21: Herbst

Vor dem Fenster hatte der erste Tag mit Dauerregen begonnen und einem Wind dazu, der einem noch durch die Herbstjacke zog. Ich fing an zu Niesen und hatte das Bedürfnis nach Zimtsternen und Ingwertee. Es war klar, es ist Herbst.Mich beschlich dabei ein seltsames Gefühl, denn Herbst bedeutete, dass auch Weihnachten nicht mehr allzu fern war und dieses Weihnachten würde die größte Veränderung meines Lebens mit sich bringen. Milla. Es war daher das erste Jahr, das mich nicht wehmütig werden ließ, als nasse Blätter über die Straße fegten, Laub an meiner Windschutzscheibe klebte und es draußen schon vor der Tagesschau wieder dunkel wurde. Dennoch kam da spontan das Bedürfnis auf ins Theater zu gehen, ins Kino, tanzen, trinken, rauchen, Freiheit. Und dann auch wieder nicht. Dieser Wettstreit zweier Lebensgefühle und ich wusste dennoch, dass das völliger Blödsinn war. Gewiss, Milla würde all das in seiner Frequenz verändern, aber mir niemals verbieten ich selbst zu sein. Angst gehört dazu, dachte ich und freute mich über den Tritt in meinem Bauch. Endlich Herbst!

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