Teil 20: Eltern
Sie freuten sich riesig über ihr erstes Enkelkind. Nach anfänglicher Skepsis kauften sie Matratzen und Bettlaken und Kindersitze. Und ich war sehr froh, dass es sie gibt, diese Eltern.
Sie freuten sich riesig über ihr erstes Enkelkind. Nach anfänglicher Skepsis kauften sie Matratzen und Bettlaken und Kindersitze. Und ich war sehr froh, dass es sie gibt, diese Eltern.
Zwei Monate später. Mit einem Reiserucksack auf dem Rücken lief ich durch die Gänge des Berliner Flughafens Tegel. Tocotronic auf den Ohren, Samstag ist Selbstmord. Das ist eine andere Baustelle, dachte ich, gab das Gepäck auf und ging zum Gate. Das Flugzeug war halb leer. Es war Januar. Ein Fensterplatz und ich freute mich wie…
…war schon frühlingshaft und beheimatete uns für zwei Monate. Ein Alltag stellte sich ein. Viel frische Luft und viel allein. Die anderen Mütter hatten ältere Kinder und waren überwiegend an ihre Schreibtische zurück gekehrt. Eine Woche zu den Großeltern. Milla begann zu Lallen und weil sie so gerne Ai Weiwei sagte, brachte ich sie zur…
1. Für mich sind die Fronten klar. Ich bin lesbisch. Ich bin Single. Gianni ist ein guter Freund. Wir hatten nie Sex. Mein Umfeld weiss das. Manchmal, so habe ich den Eindruck, muss ich mich rechtfertigen, dass Gianni und ich uns gut verstehen. Manchmal, so scheint mir, muss ich fast beweisen, dass nichts Partnerschaftliches zwischen…
Sie brachten Schokolade, wuschen Wäsche, kamen jeden Tag vorbei. Auf der Wöchnerinnenstation. Nachdem die Fruchtblase platzte. Plötzlich. Acht Wochen zu früh. Und noch dazu am Heimatort. Der Geburtstag der eigenen Mutter. Der letzte Familienbesuch vor dem Geburtsvorbereitungskurs sollte es sein. Aber noch war sie im Bauch. Damit alles gut. Nun Antibiotika in den linken Arm,…
Einen Blog zu schreiben, mein Leben öffentlich und realistisch zu präsentieren, ist eine sehr fremde Angelegenheit für mich. Dennoch habe ich mich dazu durchgerungen, weil ich denke, dass meine Familienkonstellation eine besondere ist; es gibt kaum Vorbilder für solch ein Modell. Nicht, dass ich nun glaube, unbedingt ein solches Vorbild zu sein – aber es gibt mich und diese Geschichte und vielleicht bringt sie uns ein Stück weiter zu einem erweiterten Verständnis von Alltäglichem. Das ist mein Anliegen. Wie so vieles, fängt auch meine Geschichte mit einem Knall an.
Die Nacht war schlafarm und der Morgen müde, der rote Platz eiskalt und Lenin heute nicht zu besichtigen. In Restaurants, die aussahen wie Wohnzimmer, ein Berlin-Gefühl nur anders. Großstadt im Schnee mit rauchenden Schornsteinen vor azurblauem Himmel, dessen Farbe trog. Gianni verlor seine Handschuhe. Wir teilten, mal trug er meinen rechten und ich meinen linken,…