Teil 17: Dingsbums

Über Schwangerschaft zu schreiben ist müßig, da gibt es tonnenweise Material im Netz, in Büchern, bei Freundinnen und Müttern. Nur so viel: auch ich musste Kotzen, vier Monate lang und ja, es hörte tatsächlich plötzlich auf und ja es folgten gute Monate. Die danach kamen waren beschwerlicher, ein bisschen Alte-Frau-Gefühl vorweggenommen. Wir wussten, die ersten 12 Wochen waren gefährlich, wir mussten trotzdem darüber reden.Mein Zellhäufchen bekam alsbald den Namen Dingsbums. Wein? Ach nein, Dingsbums, ach ja. Ein bisschen wie ein Fake, wenn doch noch gar nichts zu sehen ist. Das mit dem Sehen kam aber und nahm Ausmaße an, die mir vorher unvorstellbar waren. Yoga, Schwimmen, Walking, Second-Hand-Läden, Sprachkurs, Freunde, Freunde, Freunde und Familie und ständig unterwegs. Italien, Deutschland, Italien, Deutschland, Italien, Deutschland. Zwischendrin Ultraschall: es ist ein Mädchen! Die Freude war groß – obwohl sie bei einem Jungen genauso groß gewesen wäre. Irgendwie ist es doch egal und irgendwie ist es auch schön zu wissen was einem bevorsteht. Ein Mädchen also. Namensfindung. Huiuiui. Anna, Lisa, Maria, Elsa, Helena, Clara, Chiara, Sarah. Nein. Smilla! Gianni übte sich und tat sich schwer. Italiener mit zwei Konsonanten zu quälen, die direkt aufeinander folgen und zusammengenommen einen Zischlaut bilden, war schon eine Gemeinheit. So ließen wir das S einfach weg und es blieb Milla. Milla. Milla. Milla. Es folgte ein Handschlag und damit war es besiegelt. Die italienische Großmutter begann zu stricken, von nun an gab es also kein Zurück. Der deutsche Großvater versuchte es noch mit einer Kürzung auf ein l, aber das kam nicht in Frage. Milla. Punkt. Ob die Welt das will oder nicht.

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