Teil 11: Moskau und noch weiter

Wir liefen weiter und weiter und mir wurde bewusster und bewusster, dass das tatsächlich der richtige Weg war. Schritt für Schritt wurden wir nüchterner. Vor dem Hotel noch eine letzte Zigarette, betretendes Staksen von einem Bein auf das andere. An der Rezeption unsere Frage nach Wodka. Wir erhielten den freundlichen aber bestimmten Hinweis, es wäre ein alkoholfreies Hotel und wir mögen das bitte respektieren. Also Treppe rauf, Schlüssel raus, ins Zimmer rein. Wir verteilten Schneematsch auf dem Fußboden und ich suchte die Utensilien. Die folgende Nacht war noch schlafärmer und der folgende Morgen noch müder. Der darauf folgende Tag ähnlich dem ersten, nur ein bisschen abgeklärter und der weitere Abend routinierter und die darauf folgende Nacht mindestens genauso schlafarm und der dann folgende Morgen war der Tag des Rückflugs. Noch schnell zur Duma, einen Mittelfinger erheben und das auf Facebook posten, Russland hatte gerade sein Homophobie-Gesetz beschlossen. Dann die Trennung, zwei unterschiedliche Flughäfen, zwei unterschiedliche Richtungen. Ich saß im Zug nach Domodedovo, die Sonne schien und ich war fix und fertig und irgendwie auch ziemlich glücklich. Am Flughafen wurden die Koffer ins Flugzeug geladen, über der Rollfläche ein aufgehender Vollmond, ich hielt eine Hand auf meinen Bauch und wusste, es hatte geklappt.

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