Teil 34: Berlin

…war schon frühlingshaft und beheimatete uns für zwei Monate. Ein Alltag stellte sich ein. Viel frische Luft und viel allein. Die anderen Mütter hatten ältere Kinder und waren überwiegend an ihre Schreibtische zurück gekehrt. Eine Woche zu den Großeltern. Milla begann zu Lallen und weil sie so gerne Ai Weiwei sagte, brachte ich sie zur Ausstellung in den Gropius Bau. Ansonsten auf Schaukeln und Rollbahnen, in Cafes und Wohnzimmern. Immer häufiger auf dem Fussboden. Die anderen krabbelten und Milla rollte. Musik mochte sie gerne, Kopfsteinpflaster gar nicht. Der erste Brei, die ersten Zähne. Fieber und Tränen und dann war wieder gut. Bücher aß sie besonders gerne, ansonsten Reisflocken mit Milch. Gianni kam jeden Abend und nahm sie meistens mit zu sich. Drei Stunden kinderfreie Zeit. Daten, joggen, Staub saugen. Alles Dinge, die sonst zu kurz kamen. Danach die Spieluhr, einmal Milch trinken und danach Augen zu und noch weitere zwei Stunden blieben für mich. Das funktionierte ganz ausgezeichnet und dennoch freute ich mich auf die nächste Tour. In noch ferner Zukunft blitzten sogar schon Kindergarten und Rückkehr in den Job auf. Und auch wenn ich nicht besonders scharf darauf war früh um fünf aus den Federn zu kriechen, so freute ich mich doch auf ein persönliches Vorankommen. So schön eine Auszeit auch sein mochte, es blieb ein Gefühl von Unproduktivität, die nicht wegen ihrer selbst ein Problem war, sondern dem Wunsch entgegen stand, etwas zu schaffen.

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