Teil 39: Wendepunkt

Kita: 17.09.2014. Der Tag X.
Die Italiener sagten dazu: La pancia e buio (im Bauch ist es dunkel). Remo Largo (berühmter Kinderarzt und im Übrigen auch Italiener) sagte dazu: gebt die Kinder in die Krippen! Und mein Gefühl sagte: raus mit dir, du kleiner Wurm, spaziere in die Welt hinein!Tatsächlich war ich aufgeregt und gelassen gleichzeitig. Ich freute mich wahnsinnig auf einen veränderten Alltag. Für Milla war es an der Zeit mit anderen Kindern zusammen zu sein, ohne dass ich dauernd dabei war. Für mich war es an der Zeit, zu Themen Zugang zu finden, die sich nicht mit Brei, Schlafzeiten und Stuhlgewohnheiten beschäftigten.

Als Milla, Gianni und ich ankamen, wurden wir umringt von einer Schar Ein- bis Zweijähriger. Sie plauderten auf uns ein und wir verstanden sie kaum. Milla blieb auf dem Arm. Sie sah sich alles an, alsbald aber begann sie mit Armen und Beinen zu zappeln. Sie wollte runter. Vom elterlichen Schoß rauf auf die eigenen Füße. Sogleich wurde sie umkreist von all den anderen. Für größere Mädchen glich sie zunächst noch einer Puppe. Sie wurde gedrückt und gestreichelt und geküßt. Bücher, Autos, Rutsche, Ball, Apfelstückchen, Rotznasen, wie heißt du, bist du die Mama, Spielhaus, Bauklotz, Turnseil folgten. Nach einer Stunde waren wir alle fix und fertig und fuhren nach Hause. Eine Woche später aß Milla schon Mittag, eine weitere Woche später und sie machte auch ihren Mittagsschlaf dort. Den ersten Schnupfen brachte sie uns nach drei Tagen mit. Und dann war sie auch schon angekommen und hatte ein bisschen schon ihr eigenes Leben. Unser Frühchen. Ganz ohne uns.

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