Teil 36: Vierte Tour

Italien rauf und runter. Inzwischen waren wir sooft hier, dass der Blick für die kleinen hübschen Nebensächlichkeiten schon fast abhanden kam. Wir lebten mit und gehörten dazu und doch nicht. Zumindest ich nicht. Ich spürte die Zwänge, in die eine Schwiegertochter geraten könnte und blieb doch Gast, weil ich genau das war, und bemühte mich trotzdem ein wenig mitzuhelfen bei den Großeltern und mich aber doch nicht zu involviert zu fühlen. Milla war in den letzten Wochen plötzlich aufgewacht. In dem Babygesicht war auf einmal ein Mensch zu entdecken, mit Wünschen hinter den greifenden Händen. Vorzugsweise waren es Löffel, Tasse, Serviette. Sie begann zu spielen und ihre Umwelt zu begreifen und hatte Freude an Menschen. Milla also bei Nonno und Nonna und das war mein Beitrag. Ich ließ auch mal los und dem Kind einen Teil seiner Familie, den ich kaum kannte, und versuchte meine leeren Hände mit ein bisschen Schlaf, gedanklichem Leerlauf und Sport aufzufüllen. Und solange Milla mit strahlenden Augen zurückkehrte, gelang mir das ganz gut. Wir fuhren weiter nach Süden, zwei Wochen in einem alten Kloster. Gianni arbeitete und ich lag im Schatten. Milla zwischen vielen Händen, im Planschbecken und immer mehr auf den eigenen Füssen, sie entwickelte sich ganz grossartig in diesen Tagen. Dann wieder weiter. Diesmal Ventotene, gefolgt von Neapel, dann zurück nach Florenz, nach Elba, wieder zurück nach Florenz, mit Freunden nach Ligurien, zurück nach Florenz und dann ganz zurück, nach Berlin. Und nun war es auch gut so. Zwei Monate später. Das war ein richtiger Sommer. Zeit für den Herbst.

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