Teil 19: Singlesein

Manchmal ist es schwer zu vermitteln, dass genau das gewollt war und eine freie Entscheidung, die ich nicht bereue und die zu den wunderbarsten Dingen in meinem Leben gehört, die ich je gemacht habe, dass ich mich wahnsinnig freue und dieses Kind nicht der Lückenfüller für eine misslungene Partnerschaft ist und dass da sicherlich eine Lücke ist, die ich keinesfalls leugne, und dass diese Lücke bei aller Vorfreude auch bestehen bleibt. Und dann sagen die Menschen, dass das sehr mutig und stark sei und ich lache dann und sage, na ja.Dann kamen die Momente, in denen ich mich an diese Menschen erinnerte, beispielsweise wenn ich meine Einkaufstasche alleine im siebten Monat in den vierten Stock schleppte und das inzwischen zum dritten Mal, weil ich die Tasche nicht mehr so voll packen durfte. Und ich erinnerte mich an meine wegwischende Handbewegung, wenn ich hörte, sich schonen und nicht überfordern. Diese Worte fielen mir wieder ein, wenn ich meinen Riesenkoffer mit den Superrollen von Taxi zu Taxi stupste, mit zwei Zeigefingern auf meinen Bauch wies und darum bat nach der Fahrt das Ding in meine Wohnung getragen zu bekommen und dann hörte: Rücken, Arthrose, nee, echt nicht, fragen se wen anderes. Und ich erinnerte mich an den gebrochenen Zeh. Ich dachte, ach egal, schnell ins Bett, einmal schlafen, morgen wäre alles wieder gut. Nachts dann der Harndrang aller Schwangeren und das Pochen ganz weit unten. Der erste Schritt und autsch. Autsch beim Auftreten vorne, autsch an der Seite und autsch an der Ferse und das Klo nur zehn Schritte weg, unerreichbar allerdings ohne diesen einen Fuß. Hüpfen, dachte ich, wozu hat der Mensch zwei Beine, ach nein, verboten mit dem Baby. Mir blieb nichts als ins Bad zu kriechen. Anschließend zum Eisfach. Nicht einmal ein Kühlpack, ich griff nach tiefgefrorener Pasta. Immerhin. Und zurück. Irgendwann hatte ich gelernt den Inhalt meines Koffers in kleinere Taschen zu packen, den Koffer im Erdgeschoss aufzuklappen und sukzessive zu befüllen, dann erst loszurollen und bei der Heimkehr eben andersrum. Auch der Zeh war wieder angewachsen. Sogar gerade, als wäre nichts gewesen. Es ging. Es ging wirklich. Was allerdings nicht ging waren die Abende, an denen die anderen Schwangeren aus dem Yogakurs sich zu ihren Männern auf das Sofa setzten, sich bekochen und den Bauch kraulen liessen. Ich hingegen hielt schnell beim Asiaten. Oder wenn mir Freunde müde wurden und eben noch mit ihrem Schatz telefonieren wollten vor dem Schlafengehen oder wenn jemand weg musste, weil das nächste Date schon wartete. Dagegen half nicht viel. Drogen waren schließlich verboten. Jedenfalls besass ich jetzt wieder einen Fernseher. Mit integriertem DVD-Player.

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