Teil 26: Erste Wochen

Zäh zog sich die erste Zeit auf der Frühchenstation. Zwischen Füttern, Wickeln, Waschen, Milch abpumpen blieben manchmal nur dreissig Minuten und da musste geduscht, gegessen, geschlafen, Spazieren gegangen werden, da kam Besuch und ach ja, Geburtsurkunde beantragen, Kindergeld, Elternzeit und Elterngeld und Mutterschutz fand auch statt.Rückbildungsgymnastik und Hebammenbesuche und zurück geflitzt und so viel Liebe gegeben, wie in diesen Tagen noch übrig blieb. Ein einziges Bier musste mal sein, nach all der Zeit und dann weiter. Gianni war da und dann wieder weg und sein Dasein war eine grosse Erleichterung. Denn augenblicklich ging die Verantwortung durch zwei und das Mittagessen mit dem orangefarbenen Plastikdeckel wurde ersetzt durch primo und secondo piatto. Es wehte ein Hauch von rosa über die gynäkologische Station, auf der wir uns ein Familienzimmer teilten. Anfangs hatten wir unsere getrennten Betten zu verteidigen, irgendwann waren wir einfach wir. Wir gingen ein und aus und schauten ins Novembergrau, kauften beide eine riesige Kleidertüte bei H&M, denn keiner hatte wirklich mit einem längeren Aufenthalt gerechnet. Milla machte mit uns beiden Känguru. Sie schlief in unseren Armen ein und wir versuchten uns zwischen all den Kabeln nicht zu verheddern. Wir schleusten unser Handy auf die Neonatologie und schossen wohl die meisten Fotos von allen. Wir konnten in diesen Tagen nicht aufhören von ihr zu erzählen. Als sie sich selbst zum ersten Mal die Magensonde zog, waren wir so stolz auf sie. Milla hatte etwas gemacht. Sie hatte sich gewehrt. Unsere Tochter. Ganz klar.

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